Sei

Sei ganz

Sei ganz Du

Sei ganz Du selbst

„Du musst mehr Rouge auftragen.“ – Etikettenschwindel.

„Du musst mehr hier- oder davon verkaufen.“ – Umsatzmonkey.

„Du musst die Verordnungen unbedingt einhalten.“ – Sklave.

Du musst, du musst, du musst …

Ich muss gar nichts, vor allem nicht, was andere sagen oder von mir erwarten. Diese Überzeugung wächst mit zunehmendem Alter. Aufgemerkt: Altersstarrsinn schaut anders aus, nämlich als Verweigerung der Lernbereitschaft. Die eigene Identität zu verleugnen hat aber nichts mit mangelnder Lernbereitschaft zu tun.

Als Kleinkind: Papa erwartet, dass Du …; Mama besteht darauf …

Als Schüler: lerne dies und das; halte Dich an …

Als Student: das Axiom im herrschenden Paradigma unserer Denkrichtung …

Der Mensch hat einen freien Willen, sagen die Neurobiologen. Ihn zu benutzen, schadet aber Deiner Erfolgsperformance, lehrt Dich die Gesellschaft.

Sapere Aude, der Wahlspruch der Aufklärung mit der Aufforderung seinen eigenen Verstand zu benutzen, wäre eine Lösung, ist aber politisch inkorrekt, oder?

Sei so, wie Dich andere gerne hätten. – Charakterwäsche.

Sei fleißig und dienstbar, der Rest ergibt sich. – Karriereplanung.

Sei ein Ei, das aufgeschlagen als Omelett anderen mundet. – Marketingcharakter (E. Fromm).

Und wenn der Geschmack der anderen nicht meinem entspricht? – Wer fragt, was ich möchte, ich will oder mir guttut?

Richtig! – Niemand.

Das ICH, subjektiv und anders, entfaltet sich unvorhersehbar und strengt an; ist einfach unbequem.

Deshalb muss es in Form und sozialkonform gebracht werden.

Was aber zeichnet eine/n gute/n Schauspieler/in wie Bruce Willis, Clint Eastwood oder Julia Roberts aus?

Sie spielen „nur“ die Facetten ihrer eigenen Persönlichkeit in jeder Rolle, ohne sich dabei zu verbiegen.

Was zeichnet eine/n gute/n Mitarbeiter/in aus?

Es/sie liebt, was sie tut.

Was zeichnet eine/n gute/n Unternehmer/in aus?

Er/sie ist enthusiasmiert von einem Zielbild.

Wer von diesen drei Gruppen macht, was er/sie nicht will? – Niemand – das ist der Trick.

Sie müssen Ihr Buch für den Leser schreiben. In der jetzigen Form versteht es keiner. Das mag im Einzelfall richtig sein, so eine Empfehlung. In allen anderen Fällen geht das Besondere, das Einmalige, also der unverwechselbare Stil verloren.

Hat Shakespeare für alle geschrieben?

Und in unserer Zeit, schreibt Bazon Brock oder Peter Sloterdijk für die Masse?

Die wirklich wertvollen Welten muss man sich erschließen. Man bekommt sie nicht gut „vorverdaut“ serviert.

Der Teufel holt einen ab, aber auf Gott muss man zugehen.

„Jeder individuelle Mensch, kann man sagen, trägt, der Anlage und Bestimmung nach, einen reinen, idealischen Menschen in sich, mit dessen unveränderlicher Einheit in allen seinen Abwechslungen übereinzustimmen die große Aufgabe seines Daseins ist.“

Quelle: Schiller, F., Theoretische Schriften. Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen, 1793-1794. Vierter Brief

Autor: Norbert W. Schätzlein, 23.05.2020

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