Wir hatten uns in einem früheren Blog ausführlich mit Psychopathen beschäftigt.

Mehrere Fragen und Anregungen von Lesern erreichten uns zu Narzissten und auch der Abgrenzung zwischen Narzissten und Psychopathen.

Dazu nun folgende Gedanken:

Narzissten können sich nicht in andere hineinversetzten und auf Grund dieser fehlenden Fähigkeit zur Empathie nehmen die Menschen um sie herum nur einen geringen Stellenwert ein. Oft leiden sie unter einem geringen Selbstwertgefühl, welches sie versuchen durch ausgezeichnete Leistungen und das Dominieren anderer wettzumachen. Dafür stellen sie sich selbst gerne in den Mittelpunkt und sind der Ansicht immer recht haben. Zudem sind sie oft sehr eingebildet und reagieren auf Kritik auf Grund ihres geringen Selbstwertgefühls schnell mit Wut. Auch Ironie kann deshalb nicht als solche aufgefasst werden. Dieses Minderwertigkeitsgefühl kann in der Kindheit und der mangelnden Zuwendung der Eltern begründet sein. Eine narzisstische Persönlichkeit will bewundert werden, sie ist permanent auf der Suche nach Anerkennung, um die innere Verletzlichkeit eines Selbstwertmangels zu kompensieren. Das breite Angebot der modernen Gesellschaft an Inszenierungsplattformen (Soziale Medien) und ein Luxusangebot, das die Einmaligkeit bewunderungswürdig hervorhebt, machen den Narzissten zum Prototypen unserer Zeit. Hohe Narzissmus-Werte finden sich bei Promis. Sie sind Projektionsfläche und in unserem Kontext Ziel der eigenen Entwicklung.

Woran erkennt man einen Narzissten? Ganz einfach, auf die Frage, ob man ein Narzisst sei, antworten die meisten freimütig mit „Ja“. Ein Vorteil, den ein Narzisst mit sich bringt ist: durch seine immense Selbstüberschätzung kann er ein Team motivieren.

Narzissten haben ihre Qualitäten. Doch Vorsicht: im Scheinwerferlicht ihres Erfolges verlieren sie zuweilen die Realität und destabilisieren dann Organisationen.

 

 

 

 

 

 

Autoren: Sophia Schätzlein und Norbert W. Schätzlein, 03-2018

Quelle:

Campbell, W. Keith: The Handbook of Narcissism and Narcissistic Personality Disorder: Theoretical Approaches, Empirical Findings, and Treatments, 1. Aufl., New Jersey: John Wiley & Sons, Inc., 2011

Sehr empfehlenswerte Literatur zu den Verstrickungen des Selbst:

Maaz, Hans-Joachim: Das falsche Leben, Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft, München: Verlag C.H. Beck oHG, 2017

 

„Eigenliebe ist der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft.“

Oscar Wilde (1854 – 1900), irischer Lyriker und Dramatiker