Ok, ich bin 1997 geboren am 10.09. um genau zu sein. Aber holen wir mal nicht zu weit aus, denn groß um den heißen Brei herumreden ist mal sogar nicht meins. Im Jahr 1997 geboren zu sein bedeutet für mich auch, dass ich zur sogenannten „Generation Z“ gehöre. Was gelinde gesagt ein bisschen deprimierend klingt. So als wären wir die letzte Generation, so am Ende des Alphabets, oder kommen danach noch die Umlaute? Da wir das jetzt also gleich am Anfang festgestellt haben, möchte ich drauf hinweisen, dass dieser Text auch in diesem Stil geschrieben sein wird. Wer jetzt als Angehöriger der Generation Y, X oder gar Baby Boomer nicht ganz mitkommt mit bestimmten Ausdrücken hier der Hinweis:

„Google ist dein Freund!“

Das könnte man auch als Motto meiner Generation bezeichnen oder; die wir doch gar nichts anderes kennen als das Internet, und Lexika seltener selbst aufgeschlagen haben als uns davon in Anekdoten berichtet wurde. Aber bleiben wir mal bei mir, Menschen reden bekanntermaßen sowieso am liebsten über sich selbst. Meine Hard facts?! Ich studiere an der Universität Ulm einen naturwissenschaftlichen Bachelor, war ein Jahr im Ausland als Au Pair und hab sonst außer gelegentlichen Praktika bisher nur wenig von der Arbeitswelt mitgekriegt. Mein Studiengang ist nicht sonderlich groß mit meinen etwa 50 Kommilitonen. Natürlich kenne ich auch einige andere Studenten an meiner Uni und auf diesen Netzwerkkreis beziehe ich mich, wenn ich von meinen Erfahrungen mit meiner Generation spreche.

Wenn wir uns jetzt einmal den Wikipedia-Artikel zur Generation Z durchlesen, da Wikipedia einfach immer der erste Anlaufpunkt ist (und ja (!) ich weiß das ist kein wissenschaftliches Arbeiten), kriegt man einen sehr positiven Eindruck. „Die Generation Z wird nicht durch eventuelle spätere materielle Reichtümer angetrieben, sondern durch das Streben nach Anerkennung. Nach den Studien des Soziologen Klaus Hurrelmann entsteht außerdem ein hoher Grad von Selbstbewusstsein und das Bestreben, Umwelt und Gesellschaft politisch zu verändern.“ Für mich klingt das jetzt erstmal als wären wir die Superhelden der Generationen, Marvel lässt grüßen mit den Avengers, Thor und so weiter. Selbstbewusst kämpfen wir für eine bessere Umwelt und Gesellschaft und nicht um des Geldes wegen; Nein (!) für die Ehre. Ok würde ich normalerweise jetzt dazu sagen und an der Stelle selbstzufrieden meine Websuche beenden, leider wird für diesen Text im Rahmen meines Praktikums ein bisschen mehr erwartet.

Also weiter tief in den Dschungel des „World Wide Web“ wie die Generation meiner Eltern manchmal noch sagt und direkt auf den zweiten Link bei Google geklickt. Und auf den dritten und vierten und was sich immer wieder wiederholt ist die Behauptung für die Z-ler wären feste Arbeitszeiten, befristete Verträge und klare Strukturen extrem wichtig. Das klingt ziemlich langweilig und nach Beamtentum und in meinem Kopf fängt es an „Wake me up before you go go“ zu spielen, direkt verneinen kann ich es aber nicht. Christian Scholz[1], ein Name über den ich im Rahmen meiner, wenn auch nicht sehr wissenschaftlichen, Internetrecherche immer wieder gestolpert bin greift dieses Thema ebenfalls auf. Er erklärt meine Generation zu Spießbürgern mit Gartenzwerg und allem was dazu gehört. Da denke ich mir erstmal so Moment: „Kann man überhaupt spießig unterhalb der Dreißiger sein?“. Duden online sagt Ja, an das Spießbürgertum ist nicht direkt ein Alter angeknüpft. Viel mehr sind ihre Angehörigen engstirnig und orientieren sich an den Meinungen anderer. Ersterem kann ich so nicht wirklich zustimmen, letzterem allerdings auf jeden Fall. Bei mir fing das bereits im Teenageralter an: Wie viele Freunde hast du auf facebook, wie viele Likes hat dein Profilbild und was steht in den Kommentaren? Auch wenn man mal diese doch prägenden Erfahrungen beiseitelässt, selbst heute noch ist es nicht anders. Ich will sagen mit Instagram und vielem anderen präsentiert man sich ständig selbst und wofür? Sicherlich nicht um anderen zu MISSfallen. Im weiteren Verlauf des Interviews holt er aus wie zwingend für uns eine Trennung von beruflichem und privatem ist und wie wir glücklich und ohne schlechtes Gewissen um 17 Uhr nach Hause gehen können ohne uns dort weiter mit der Arbeit zu beschäftigen. Aber das als spießig beschreiben? Wie wäre es mit fokussiert? Oder auch vorausschauend? Wurde uns doch immer wieder vom Burn-out ab dreißig berichtet, wenn wir es nicht sogar selber live miterleben durften.

Gut abgesehen davon, kann ich den meisten seiner Punkte zustimmen. So greift er auch die emotionale Bindung zu Unternehmen auf und beschreibt sie als auf den Arbeitsplatz mit Schreibtisch, Topfpflanze und zwei bis drei Kollegen beschränkt. Wie ich davon, dass erste Mal an anderer Stelle gelesen habe war mein Gedanke: „Was soll das überhaupt heißen emotionale Bindung zum Unternehmen?“ Wenn das allein nicht schon alles sagt. Ich werde keine Freudensprünge machen, wenn der neue Standort in Sydney gegründet wird und auch nicht vor meinen Freunden damit angeben. Höchstens vielleicht, weil ich jetzt mal die Möglichkeit hätte nach Sydney zu fliegen, wenn ich schon kein Work-and-travel in Australien gemacht habe.

Waren doch so viele nach dem Abi da, dass es schon ein richtiges Klischee geworden ist. Lisa, 19 war drei Monate in Australien und ist jetzt totally überfordert wieder Deutsch zu reden – ist mittlerweile schon längst ein Klassiker. So oder so gehört Reisen auf jeden Fall zu den Top Themen meiner Generation genauso wie zum Beispiel auch Influencer, der Fitness Hype oder für die noch etwas jüngeren Musically. Was ist ein Influencer? Kleiner Tipp man findet sie vor allem auf Foren wie Youtube, Instagram oder eben auch Musically. Was den Fitness Hype angeht, gehören Smoothies zum Standard und jeder zweite in meinem Bekanntenkreis rennt regelmäßig ins Fitnessstudio. „Was genau meint sie jetzt mit dem Reisen?“ fragt Hartmut sich an seine Frau Giesela wendend, „wir gehen doch genauso zweimal im Jahr nach Mallorca“. Hiermit will ich eher sagen, dass es bei mir, unter Studenten wohlgemerkt, durchaus normal ist einfach mal übers Wochenende nach London zu fliegen. Oder doch lieber ein Kurztrip nach Lissabon? An der Stelle ein Shout-out an Ryanair vielen Dank, dass eure Flüge so verdammt billig sind, dass man sich fragt wie sich so etwas umwelttechnisch rechtfertigen lässt. Toll wie ich gerade nicht nur einen Witz gemacht, sondern auch noch unterschwellig „Kapitalismuskritik“ geäußert habe. Unsere Generation hat es halt einfach drauf, oder? Zumindest unterstellen mir die meisten Artikel die ich bisher gelesen habe zu dem Thema, ein ungehöriges Selbstbewusstsein. Zugegebenermaßen herrscht hier bei mir persönlich kein Mangel, aber man muss nur einmal zur Klausurenphase durch die Uni laufen und in die verzweifelten, übermüdeten Gesichter meiner Kommilitonen schauen um festzustellen hier ist nicht unbedingt jeder von sich so überzeugt. Dieser Eindruck kann natürlich meinem Blickwinkel als Student geschuldet sein, bringt einen die Uni doch viel zu oft an die eigenen Grenzen und darüber hinaus.

Da bleibt natürlich wenig Zeit für andere Sachen zumindest jedes Jahr im Februar und Juli.  Sonst haben Studenten zumindest an meiner Uni, aber auch nicht besonders viel Freizeit je nachdem wie fleißig man ist kommt man locker auf die 30 Stunden Woche. Eher vielleicht noch 40 Stunden, denn gute Noten sind wichtig für die Bewerbung später genauso wie ein guter Lebenslauf. Und was gehört da noch dazu?

Genau ein politisches oder ehrenamtliches Engagement! Zugegebenermaßen scheint mir meine Generation allerdings ziemlich apolitisch. Ich selber schaue vielleicht alle drei/vier Tage mal in meine Spiegel online App und einmal in der Woche läuft die Tagesschau und selbst mit dieser minimalen Informiertheit, weiß ich meist besser Bescheid als die meisten anderen. Wie kommt es eigentlich dazu? Ist die Zeit wirklich so kostbar oder interessiert die junge Generation nicht mehr das aktuelle Geschehen, lassen sie sich einfach so in ihre Zukunft hineintreiben? Einer meiner Lieblingssprüche zu meinen Freunden ist: „Wir sind Studenten, wir gehören zur Bildungselite eigentlich sollten wir gegen irgendwas protestieren.“ Kenne ich einfach so aus Filmen, Büchern ja selbst dem Geschichtsunterricht. Aber in der Realität kommt das politische Interesse nicht wirklich an meiner Uni an und ist damit auch nicht die einzige. Von Freunden hört man Geschichten aus Unis in Bayern, wo ein Großteil der jungen Menschen die CSU wählen. Das mag ja ok sein, aber über Alternativen wird erst gar nicht wirklich nachgedacht, denn SPD wählen steht außer Frage. Konservativer geht es eigentlich nicht mehr. Also ist das unser Fazit? Die Generation Z ist nicht mehr zu retten, das Interesse etwas zu bewegen, ja nur sich zu informieren was es überhaupt zu bewegen gäbe, ist nicht vorhanden? Doch das stimmt so nicht unbedingt, gibt es doch beispielsweise so viele Vegetarier in meinem Freundeskreis aus Nachhaltigkeitsgründen die man in den Generationen 40+ vergeblich sucht. Da kann nicht wirklich alles egal sein, viel mehr würde ich die These aufstellen das ein allgemeines Gefühl an mangelnden Einflussmöglichkeiten in der Politik herrscht.

So, das war die Einleitung und über das ach so harte Leben hab ich mich auch ausgelassen. Und, was bleibt? Naja, irgendwie soll es hier ja auch noch ums Arbeitsverhalten von Z-lern gehen. Darum erstell ich jetzt einfach mal ein fiktives Stellengesuch, denn wenn mich einer fragen würde wie mein idealer Job mal aussieht sage ich: Mich interessiert was ich tue und es macht mir Spaß, bei einem guten Gehalt und netten Kollegen. Dabei meine ich mit gutem Gehalt keine utopische Zahl, nein vielmehr das was man braucht um sorgenfrei Leben zu können. Angeblich wird man ja ab einem Gehalt von 5.000 € im Monat mit fortlaufenden Gehalterhöhungen eh kaum glücklicher.[2] Mir ist klar auch diese Zahl liegt noch 1.200 €[3] über dem durchschnittlichen, deutschen Monatseinkommen (brutto), aber wofür studiere ich den fünf Jahre Minimum (das mit der Promotion ist noch unklar)?

Also was soll ich sagen? Hatte Wikipedia recht? Irgendwie fühle ich mich nicht wirklich wie Superwomen und wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin kämpfen wir auch eher selten gegen das Böse um ehrlich zu sein. Meistens gehen wir einfach nur feiern oder ins Kino. Dafür braucht man aber auch irgendwie Geld, denn ganz ohne wird das schwer. Der Mensch der gesagt hat man braucht kein Geld um glücklich zu sein war noch nie im Januar bei -2°C in Deutschland mit Freunden unterwegs auf der Suche nach einer Aktivität die umsonst ist. Und das ist es doch, wo wir alle letztendlich hinwollen: „glücklich sein“. Oder haben sie schon mal jemand getroffen der behauptet hat, ne das mit dem Glück, dass ist mir eigentlich egal ich bin gerne auch mal miesepetrig? Hände runter dahinten, das war eine rhetorische Frage! Jetzt bedeutet Glück natürlich für jeden etwas anderes, und das hängt natürlich nicht nur davon ab in welche Generation man hineingeboren wurde. Ja es gibt wohl gewisse Tendenzen letztendlich kommt es aber auf die Individuen an, Stichwort Mischtypen. Das ist doch eigentlich genau das spannende und wenn ich mich nicht täusche auch in der Wirtschaft brandaktuell: Individualisierung und Diversität.

Autorin: Sophia Schätzlein, www.antaris.biz, 03-2018

[1]https://www.karrierefuehrer.de/wirtschaftswissenschaften/generation-z-interview-christian-scholz.html

[2] http://www.zeit.de/karriere/beruf/2016-08/gehalt-geld-glueck-zufriedenheit-einkommen

[3] https://de.statista.com/themen/293/durchschnittseinkommen/