Neil Postman und Steve Powers haben das Buch How to Watch TV News: Revised Edition geschrieben. Daraus stammen die nachstehenden 8 Tipps im Umgang mit Medien; hier vorgestellt in Anlehnung an V.F. Birkenbihl.

Beginnen wir mit dem achten Tipp, der da lautet: geben Sie diese acht Tipps möglichst vielen Menschen weiter.

Also kommen jetzt sieben Tipps, zu dem, was Sie als Medienkonsument wirklich tun können, wenn Sie von passivem auf aktivem Sehen umschalten.

Tipp Nr. 1:

Vor Beginn einer Nachrichtensendung reflektieren Sie/machen Sie sich bewusst, um was es derzeit in den Medien geht. Welche Themen hängen zurzeit im (Debatten-)Raum? Mit welchem Wertesystem bemesse ich diese Fragen/Themen?

Ziel von Tipp 1 ist es, nicht passiv und unreflektiert zu konsumieren.

Tipp Nr. 2:

Merken Sie sich immer: Nachrichten sind kein Dienst an der Allgemeinheit.

Nachrichten sind ein Business und wollen gesehen werden. Ob private oder öffentlich-rechtliche Sender, beide brauchen Zuschauer, die nicht wegzappen. Alle brauchen Quote. Sie zu informieren – vielleicht sogar objektiv – ist kein vordringliches Medienziel.

2.1: Birkenbihl-Tipp in Ergänzung: Nachrichten auf DVD aufnehmen und dann zeitversetzt ansehen; die vielen unwichtigen Dinge ohne Informationswert können dann übersprungen werden.

Tipp Nr. 3:

Beobachten Sie die Wirkung davor und danach, bzw. zwischen drin. Spannend zu erkennen ist das Zusammenspiel zwischen sogenannten Nachrichten, die sehr häufig negativ sind und den (inhaltlich) positiven Werbeblogs. In der Kombination gibt uns dieser Mix das Gefühl, was wir da sehen sei ausgewogen.

Tipp Nr. 4:

Lernen Sie etwas über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen derer, denen der Sender gehört. Deren Weltbild läuft über die Redaktion und die Beiträgeauswahl in die Sendungen ein. Schätzungsweise ¾ der Weltbevölkerung sehen sich das an, was einem Medienmogul gehört.

Tipp Nr. 5:

Achten Sie auf die Sprache. Sehr viele Aspekte spiegeln sich in der Sprache. Achten Sie darauf ob es wirklich Fakten sind, denen Sie Ihr Ohr leihen oder nur Meinungen einer Person, die Sie nicht im Geringsten kennen. Passen die Bilder mit den Worten zusammen?

5.1: Birkenbihl reklamiert, dass Messeberichte die interessanten Nachrichten wären, aber genau die sieht man nicht. Warum berichtet man auch nicht über Jugend forscht; frustrierte junge Leute sind hingegen omnipräsent. Im Fernsehen findet kein geistiger Wettbewerb statt, der den Menschen nützen würde. Anm.: Fernsehen ist – insbesondere tagsüber – größtenteils stupides, volksverdummendes Hartz-IV-TV.

Tipp Nr. 6:

Sehen Sie weniger Fernsehen meint der obige Autor Postman.

6.1: Birkenbihl meint: sehen Sie mehr Fern, aber viel gezielter und vor allem, das, was Sie weiterbringt in Ihren Erkenntnisprozessen.

Vergleichen Sie mit anderen Sendern aus dem In- und Ausland.

Achten Sie darauf, was die Medien uns nicht berichten.

Fragen Sie sich ob Sie sich nicht noch ein paar (alternative) Quellen hinzuziehen sollten. (Anm.: Internet hilft, NZZ, usw.)

Tipp Nr. 7:

Versuchen Sie nicht zu allem eine Meinung haben zu wollen. Passend zum Thema Fehlermanagement, sich immer wieder mal eingestehen: hier habe ich eine Lücke – steh‘ ich aber dazu! Ich weiß es an dieser Stelle nicht; habe ich keine Meinung dazu. Mancher Meinungsbildungsprozess ist viel zu früh abgeschlossen, weil wir glauben zu allem eine Meinung haben zu müssen. Wagen Sie zu sagen: weiß ich nicht, muss ich noch recherchieren. Sie gehen durch diese reife Selbsteinschätzung keinen Souveränitätsverlust ein; ganz im Gegenteil.

Tipp Nr. 8:

Hatten wir schon ganz am Anfang. Geben Sie die Tipps an möglichst viele Menschen weiter.

Anmerkung: Eine Journalistin aus dem Publikum meinte in Ergänzung: „Es geht in der Berichterstattung nicht um Nachrichten und nicht um Wahrheiten, sondern um Geld. Im Übrigen gilt beim (Mainstream-)Journalismus: ‚recherchiere die Story nicht kaputt‘. Wenn in den Medien jeder Beitrag vom Chef-Justiziar geprüft werden muss, haben wir Zensur.“

Epilog:

Nachrichten heißen vielleicht auch nur deswegen Nachrichten, weil hier etwas nach-gerichtet wird, damit wir uns danach richten.

Abschließend ein wichtiger Hinweis zur Bildung einer eigenen Journalismus-Meinung: https://www.youtube.com/watch?v=84kniW0uw50

Die Meute – Macht und Ohnmacht der Medien 2001

Ein Beitrag von Norbert W. Schätzlein zum Personaler.de-Jahresthema: gesund bleiben